Jagdteppich
Urweberrecht: Rudolf Stundl
Privatbesitz: Erika Wiltsch
Foto: Kurt Feltkamp
Jahr: 1935
Maße: ???
Im Zentrum dieses Fischerteppichs mit Waldornamenten ist ein horizontal und vertikal gespiegeltes Kleeblatt zu sehen, welches als Ganzes das problematische, da ideologisch aufgeladene Symbol eines Sonnenrades (Swastika) ergibt. Der an sich harmlose Teppich bekommt hierdurch eine politische Note, die der Entstehungszeit und dem Auftraggeber geschuldet ist. Der Jagdteppich war ein Geschenk für Hermann Göring, der nicht nur keine Probleme mit dem Töten von Menschen hatte, sondern als Reichsjägermeister auch seine Freude am Töten von Tieren kundtat.
Sind Fischerteppiche deswegen Naziteppiche? Natürlich nicht. In der Zeit des Nationalsozialismus wie in der DDR-Diktatur des Proletariats wurden Fischerteppiche oft im Auftrag staatlicher Auftraggeber geknüpft. Der Auftraggeber bestimmte logischerweise mit über das Aussehen des Fischerteppichs. Durch ein verhältnismäßig großes Budget und die Vermittlung weiterer Aufträge entschied er über die Existenz und das Weiterleben der Fischerteppich-Genossenschaft. Teppiche sind wie Papier ein Medium, mit dem der Mensch seine Gedanken transportiert. Ob Herzen oder Hakenkreuze geknüpft werden liegt nicht am Teppich.
Für den sowohl historisch als auch künstlerisch interessanten Jagdteppich gibt es bereits eine Beschreibung von PD Dr. Kurt Feltkamp, der nachfolgend ein Zitat aus dem Roman „Heimatmuseum“ von Siegfried Lenz hinzugefügt wurde, weil darin einige bemerkenswerte Parallelen aufscheinen, die vielleicht zufällig sind, vielleicht aber auch nicht; hierzu fehlt das Hintergrundwissen:
Dahlenburg u. Feltkamp: Freester Fischerteppiche der EMAU, S. 26
„Unter den Knüpfarbeiten mit Waldmotiven nimmt der „Jagdteppich“ eine Sonderstellung ein, der nach einem Lubminer Kinderentwurf von Stundl durchgestaltet worden war. Die Waldornamente sind hier als randbetonende Bänder eingesetzt. Um einen schmalen Spiegel bestimmt die dreigliedrige Randbildung den Teppichcharakter. (…) Diese offizielle Auftragsarbeit entspricht mit der kantig-strengen Komposition und der ornamentalen Trockenheit der Zweckbestimmung als Geschenk der Provinz Pommern für den damaligen Ministerpräsidenten und Reichsjägermeister Hermann Göring.“
Siegfried Lenz: Heimatmuseum, S. 516-517
„Der Offizier lächelte, ohne Sonja Turk verstanden zu haben, dann sprach er von seinem Auftrag: es sollte ein Teppich sein, ein großer Jagdteppich, dazu ausersehen, eine ganze Wand in einem rustikalen Jagdschloss zu schmücken, ja, die genauen Maße würde er uns noch liefern. Das Werk sollte ein Geschenk des Stabes an seinen Oberbefehlshaber sein, der in anderer Eigenschaft auch noch Reichsjägermeister war und demnächst ein Jubiläum feierte, ein Dienstjubiläum sozusagen.
Warum die Wahl auf Sonja Turk gefallen war, konnte er leicht begründen: während der letzten Treibjagd in der Rominter Heide hatte der Reichsjägermeister im Haus eines hohen Forstbeamten außerordentlichen Gefallen an einem kleinen Wandteppich gezeigt, der sich „Konzil der Füchse“ nannte und aus der Lucknower Weberei stammte. Künstlerisch sollte uns jede Freiheit eingeräumt werden (…) nach Möglichkeit sollte die Lust an der Jagd oder doch die lustvolle Erinnerung an die Jagd geweckt werden.“

"Wir haben die Radioaktivität von unseren Kindern nur geliehen."
[...] Franz Schwede-Coburg, dem Ministerpräsidenten und Reichsjägermeister Hermann Göring einen Jagdteppich, der nach Entwürfen eines 14jährigen Mädchens, vermutlich aus Freest, Lubmin oder [...]