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Posts Tagged ‘Ostseeteppiche’

Stolzer Fang: zwei Jesusfische (Ichthys)

Hin und wieder wartet ein guter Fang im Internetz. Die beiden Aufnahmen wurden leider nicht von mir herausgefischt, sie wurden mir von Fiete Fischer zugespielt, der sie ebenfalls über Umwege im Netz erbeutet hat.

Diese extrem seltenen Fotos zeigen Teppichfischer bei ihrer harten Arbeit auf Hoher See. Die Fotos stammen noch aus einer Zeit, als die Fischer Ostvorpommerns allmorgendlich mit ihren Kuttern aufs offene Meer hinausfuhren, um Ostseeteppiche zu fangen. Bestimmt wird jetzt der ein oder andere Leser die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und diesen heftig schütteln. Richtig, Ostseeteppiche werden natürlich nicht gefangen sondern gemacht.

Hierzu angeln die Teppichfischer nach speziellen Plattfischen (Pleuronectiformes), die entgrätet und gleichmäßig platt geklopft weiterverarbeitet werden. Im Anschluss werden sie zum Trocknen aufgehängt (aufgeknüpft), wobei sie nach allen vier Seiten unter Spannung stehen, um eine gleichmäßig viereckige Form zu gewährleisten. Dieser Vorgang ist gemeinhin als Teppichknüpfen bekannt.

Je kapitaler der gefangene Plattfisch, desto größer auch der Fischerteppich. Doch in den vergangenen Jahren sind die Bestände in der Ostsee dramatisch zurückgegangen. Vorbei die Zeit der prächtigen Bodenteppiche, bei denen locker Größen von 2 x 3 Metern erreicht wurden. Die heutzutage verbliebenen Plattfische mit ihren Ausmaßen von maximal 40 x 40 Zentimetern taugen nur noch als Sitzteppiche oder Fußmatten.

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Die Art des gefangenen Fisches entscheidet wesentlich über das Motiv des Fischerteppichs. Für die Region charakteristische Muster ergeben sich durch die Verwendung von Zackenbarschen (Epinephelinae). Blaupunktbuntbarsch (Aequidens pulcher) und Dreipunkt-Flunder (Samariscus triocellatus) ermöglichen gepunktete Teppiche, Streifenbannerfische (Hemigymnus fasciatus) und Zweistreifenkärpflinge (Skiffia bilineata) gestreifte. Beliebt sind auch Kreuzflecksalmler (Hemigrammus tridens) oder Kreuzstreifen-Schokoladengurami (Sphaerichthys selatanensis). Für einen ausgefallenen Flickenteppich bietet sich u.a. der Große Fetzenfisch (Phycodurus eques) an.

Auf den hier verwendeten Bildern sind übrigens kleine Jesusfische (Ichthys) zu sehen, die vor allem als Altarteppiche im Ostseeraum begehrt und typisch sind. Weitere religiöse Motive liefern Gotteslachse (Lampris guttatus) und Kreuzwelse (Sciades seemanni).

Vom Aussterben der Fischarten sind leider auch die Fischer- respektive Ostseeteppiche akut bedroht. Nur noch wenige dieser handgefischten Bodentextilien gelangen heutzutage in den Handel oder werden zu horrenden Preisen an obskure Teppichperser verhökert. Stolze Teppichfischer, wie auf diesen Fotos, werden wohl bald der Vergangenheit angehören. So ist die Teppichfischerei in der Ostsee ein weiteres Beispiel dafür, wie der schnelle Profit Krisenphänomene heraufbeschwört. Die Krise heißt Kapitalismus und die Krise heißt Mensch. Mensch, ändere dich!

Fotos (2): Holler di Hoppel

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Teppiche auf dem Sofa

Fischerteppiche auf der Couch


Bisher war das Freestland-Blog eher bildlastig, da es vor allem als virtuelle und museale Fischerteppich-Galerie zu verstehen ist. Heute soll es rein „textil“ zugehen, denn PD Dr. Kurt Feltkamp aus Greifswald war so freundlich, der Fischerteppich-Initiative sein Redemanuskript zur Ausstellungeröffnung anlässlich des 110. Geburtstages des „Vaters der Fischerteppiche“ zur Verfügung zu stellen. Kurt Feltkamp erwähnt darin seinen Erstkontakt mit Stundl und liefert wertvolle Hintergrundinformationen zum geschichtlichen Verständnis der Fischerteppichbewegung in Vorpommern. Oberstes Ziel des Redemanuskripts wie dessen weltweiter digitaler Wiedergabe im Internet ist es, die Erinnerung an einen Mann wach zu halten, dessen Stiftung und Preis demnächst gelöscht werden sollen, wenn es nach den derzeit Verantwortlichen geht. Dazu an dieser Stelle ein ander Mal mehr.

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Stundentafel Gützkower Str. 84, Greifswald

Stundentafel Gützkower Str. 84, Greifswald

Euer ergebener Teppichfischer Alex Zander weilte das Wochenende über erneut in Ostvorpommern, um sich an der romantischen Landschaft zu erfreuen und natürlich um neue, bisher unbekannte Fischerteppiche aufzustöbern. Ein Besuch in der Hansestadt Greifswald führte mich in die Gützkower Straße 84, wo sich einst die Geschäftsstelle der „Pommerschen Fischer-Teppich-Heimknüpferei“ befand und Rudolf Stundl mit seiner Ehefrau Frida Pietschmann-Stundl wohnte. Rudolf Stundl gilt als der Pate aller Fischerteppiche, denn auf seine gestalterischen Fähigkeiten gehen neunzig Prozent der Teppichornamente zurück. Neuerdings weist eine Gedenktafel auf den rührigen Hausbewohner hin.

Im Haus wohnt auch heute ein Kenner der Vorpommerschen Ostseeteppiche – Dr. Kurt Feltkamp – mit seiner Frau, dem ich einige wertvolle Hinweise in Sachen Fischerteppiche verdanke. Auch durfte ich mehrere sehr schöne bzw. sehr alte „Ostseeperser“ sehen und fotografieren. Doch dazu demnächst mehr auf diesen Seiten.

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