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Jagdteppich des Reichsjägermeisters

Jagdteppich des Reichsjägermeisters Göring

Jagdteppich

Urweberrecht: Rudolf Stundl
Privatbesitz: Erika Wiltsch
Foto: Kurt Feltkamp
Jahr: 1935
Maße: ???

Im Zentrum dieses Fischerteppichs mit Waldornamenten ist ein horizontal und vertikal gespiegeltes Kleeblatt zu sehen, welches als Ganzes das problematische, da ideologisch aufgeladene Symbol eines Sonnenrades (Swastika) ergibt. Der an sich harmlose Teppich bekommt hierdurch eine politische Note, die der Entstehungszeit und dem Auftraggeber geschuldet ist. Der Jagdteppich war ein Geschenk für Hermann Göring, der nicht nur keine Probleme mit dem Töten von Menschen hatte, sondern als Reichsjägermeister auch seine Freude am Töten von Tieren kundtat.

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»Das war zu jener Zeit, als ich an einem Freundschaftsteppich für Conny arbeitete, heimlich und ausdauernd, an einem Stück, von dem ich nur wünschte, dass es auf der ersten Teppichausstellung gezeigt werden könnte, die, vom Lucknower Heimatverein angeregt, von Sonja Turk lustlos unterstützt, in unserem Museum hängen sollte.

Beim Hängen stellte es sich heraus, dass von den zweiundzwanzig ausgestellten Stücken neunzehn unverkäuflich waren, sei es, dass sie von ihren Eigentümern geliehen waren, sei es, dass Sonja Turk sich nicht von ihnen trennen wollte -, zweiundzwanzig Stücke insgesamt, ja, und du kannst dir nicht vorstellen, wie da die Farben und Formen miteinander konkurrierten und wie die Inhalte – denn unsere Teppiche hatten Inhalte – alles über uns preisgaben; sogar im Ornament spiegelte sich etwas von unserer Eigenart.«
~
Quelle: Siegfried Lenz – Heimatmuseum. Roman

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»Die Teppichmeisterin gab mir einen Wink, ich löste die Schnur und schlug aus dem Packpapier einen von Indigoblau bestimmten Wandteppich, den sie bei uns auch tagsüber auf das Bett legten, ein Stück, ein Doppelgewebe von exakter Schönheit, das ich – so weit war ich bereits – sofort als eine Arbeit von Sonja Turk erkannte.

In den Ecken, lindgrün auf grauweißem Feld, der Dreispross; die Mittelfläche indigoblau, von roten Streifen unterfeuert; im Zentrum – nie wieder habe ich dies gesehen – ein mandelförmiges Auge, ernst und von unbarmherziger Gelassenheit. Ich hatte das Gefühl, dass dies Auge mich erkannte, mich abfragte, ein Auge, das alles gesehen hatte und mit allem rechnete. Es ruhte auf mir mit seiner kalten Wissbegier und ließ mich nicht los, als ich zurücktrat und dann zur Seite, alles im Raum schien ihm erreichbar, diesem rosafarbenen Auge mit der schwarzen Iris…«
~
Quelle: Siegfried Lenz – Heimatmuseum. Roman

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»Ich presste das schwere Buch an meinen Körper; auf den fleckigen Seiten war alles versammelt, was unsere Teppichkunst einst zu dreifacher Blüte gebracht hatte

  1. die Kombination der Symbole mit ihrer erprobten zauberischen Wirkung,
  2. die Geheimnisse der Farbgewinnung aus Kadik, Färberkamille und Krapppflanze und
  3. natürlich auch die Muster und Techniken für unsere Doppelgewebe und Knüpfarbeiten.

Denk immer, Zygmunt, du musst dem Material lassen, was es selbst einbringt; nichts kann die Weichheit und Wärme der Wolle ersetzen. Darum lass das Material wirken, bevor du dir Unterstützung holst bei der Farbe; lass die Wolle Licht aufsaugen und Licht abgeben, dann hast du schon den Raum. Versuch nicht, die Malerei nachzuahmen, und verbirg niemals, was Kette und Schuss aus sich selbst hervorbringen…«

(Siegfried Lenz: Heimatmuseum. Roman)

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