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Archive for the ‘Zitat’ Category

Pommersche Fischerteppiche

Freester Flickenteppich

Während aktuell ein Perserteppich des 17. Jahrhunderts aus der iranischen Provinz Kerman mit einem Rekordpreis von 7,2 Mio. Euro als teuerster Teppich der Welt für kräftig Schlagzeilen sorgt, schaffen es auch Teppiche in die Zeitung, die nur hin und wieder als »Perser von der Ostsee« bezeichnet werden. Von Pommerschen bzw. Freester Fischerteppichen ist die Rede. In der Wolgaster Ausgabe der Ostsee-Zeitung vom Wochenende fand sich folgende Meldung (OZ, 10./11. Dezember 2011, Leserservice / Wolgast / Aus der Nachbarschaft, S. 12):

»Perser von der Ostsee werden immer wertvoller.
Geschichte der Freester Fischerteppiche in Buchform.

Aus einer Hilfsaktion für bettelarme Küstenbewohner entstand in kürzester Zeit ein weltweit geschätztes Kunsthandwerk. Die Rede ist von den Freester Fischerteppichen, die es seit etwa 80 Jahren gibt. Sie sind gewebte Musik voller Farben und Rhythmen, inspiriert von der herben Schönheit der See. Darum werden die Teppiche von ihren Besitzern so geschätzt und gewinnen mit der Zeit immer mehr an Wert. Inzwischen sind mehrere tausend dieser Teppiche entstanden, die nicht nur in privater Hand, sondern auch in Museen zu finden sind. Kurt Feltkamp, der den Weg der Knüpfwerke über fünf Jahrzehnte forschend und fördernd begleitete, hat nun zusammen mit OZ-Redakteur Eckhard Oberdörfer in einem anspruchsvoll bebilderten Buch die wechselvolle Geschichte der „Perser von der Ostsee“ bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Ausführlich wird die unverwechselbare Gestaltung der Freester Fischerteppiche dargestellt. Ein eigenes Kapitel widmet sich Rudolf Stundl, der als Gestalter, Lehrer und Manager Jahrzehnte unverzichtbar für die Fischerteppiche war. Er beschaffte Material, entwarf neuartige Muster, schulte die ersten 33 Fischer und mit Luise Witt die erste Frau. Und er entwarf Webstühle, die in die niedrigen Fischerhütten passten.

Das Buch Freester Fischerteppiche ist als Hardcover im Sardellus Verlag erschienen und in den Greifswalder Buchläden erhältlich.«
(ISBN 978-3-9813402-2-8)

Verstrickungen mit den deutschen Diktaturen

Außerdem möchte ich noch auf einen wissenschaftlichen Text aufmerksam machen, der sich mit der ideologischen Vereinnahmung der Fischerteppichknüpferei als systemgefälliger »Volkskunst« befasst – sowohl im Nationalsozialismus wie hernach im DDR-Sozialismus. Obwohl das Teppichhandwerk erst 1928 in Freest und Umgebung installiert worden war, wurde mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten (die Autorin Birgit Dahlenburg spricht fälschlicherweise vom Machtantritt der »Faschisten«) aus dem 7jährigen Bestehen der Fischer-Teppich-Heimknüpferei eine ominöse Volkskunst mit über 700jähriger Tradition. Im Jahr 1935 überreichte der Gauleiter von Pommern, Franz Schwede-Coburg, dem Ministerpräsidenten und Reichsjägermeister Hermann Göring einen Jagdteppich, der nach Entwürfen eines 14jährigen Mädchens, vermutlich aus Freest, Lubmin oder Spandowerhagen, geknüpft und in der Literatur auch als »Göringteppich« bezeichnet wurde. Zu DDR-Zeiten waren die Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht und Erich Honecker prominente Besitzer und Förderer der Fischerteppiche.

Mehr zur dunklen Seite der Pommerschen Teppiche beleuchtet der Text von Birgit Dahlenburg: Pommersche Fischerteppiche – traditionsreiches Kunsthandwerk oder Medium ideologischer Vereinnahmung, enthalten in dem Aufsatzband von Bernfried Lichtnau (Hg.): Bildende Kunst in Mecklenburg und Pommern von 1880 bis 1950. Kunstprozesse zwischen Zentrum und Peripherie, Lukas Verlag, Berlin 2011, S. 446–453.

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»I begann to see what an important role the rug played in the overall cultural life of the Muslims. Each individual had a small prayer rug, and each man and wife, or large group, had a larger communal rug. These Muslims prayed on their rugs there in the compartment. Then they spread a tablecloth over the rug and ate, so the rug became the dining room. Removing the dishes and cloth, they sat on the rug – a living room. Then they curl up and sleep on the rug – a bedroom. Later, in Mecca, I would see yet another use of the rug. When any kind of dispute arose, someone who was respected highly and who was not involved would sit on a rug with the disputers around him, which made the rug a courtroom. In other instances it was a classroom.«

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Quelle: The Autobiography of Malcolm X as told to Alex Palmer Haley

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»Ich fing an zu begreifen, was für eine wichtige Rolle der Teppich im gesamten kulturellen Leben der Muslime spielte. Jeder Einzelne besaß einen kleinen Gebetsteppich, und jeder Mann und jede Frau oder große Gruppe besaß einen größeren gemeinsamen Teppich. Die Muslime beteten auf ihren Teppichen im Abteil. Dann legten sie eine Tischdecke über den Teppich und aßen, so dass der Teppich zum Speisezimmer wurde. Entfernten sie das Geschirr und das Tuch, dann saßen sie auf dem Teppich – ein Wohnzimmer. Dann machten sie es sich bequem und schliefen auf dem Teppich – ein Schlafzimmer. Später, in Mekka, würde ich noch eine weitere Verwendung des Teppichs sehen. Wenn eine Art Streit aufkam, setzte sich eine hochgeachtete und nicht involvierte Person mit den Streitparteien auf einem Teppich zusammen, was den Teppich zu einem Gerichtssaal machte. In anderen Fällen war er ein Klassenzimmer.«

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»Der prunkvolle Salon wirkte kalt, weil kein einziger Teppich darin lag.«

(Andrej Belyj: Petersburg)

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»Wie weich der Rasen seinen Teppich über die unbegangene Straße gelegt hatte!«

(Ambrose Bierce: Zwischenfall auf der Brücke am Eulenfluss)

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»Ein schillernd verfärbter Teppich lag wie ein buntes, rechtwinkliges, tropisches Inselchen da, von einer wogenreichen See schmutziger Läufer umgeben.«

(O. Henry: Das möblierte Zimmer)

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»Der weiche sächsische Teppich ist ebenfalls karmoisinrot, nur eine goldene Linie unterbricht seine Fläche und kriecht in wunderlichen, unregelmäßigen Verschlingungen über ihn hin.«

(Edgar Allan Poe: Sein Zimmer)

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Norwegische Rya?

I once had a girl, or should I say, she once had me…
She showed me her room, isn’t it good Norwegian wood?

I sat on a rug, biding my time, drinking her wine,
We talked until two and then she said: »It’s time for bed«.

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The Beatles – Norwegian Wood (This Bird Has Flown)

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»Das war zu jener Zeit, als ich an einem Freundschaftsteppich für Conny arbeitete, heimlich und ausdauernd, an einem Stück, von dem ich nur wünschte, dass es auf der ersten Teppichausstellung gezeigt werden könnte, die, vom Lucknower Heimatverein angeregt, von Sonja Turk lustlos unterstützt, in unserem Museum hängen sollte.

Beim Hängen stellte es sich heraus, dass von den zweiundzwanzig ausgestellten Stücken neunzehn unverkäuflich waren, sei es, dass sie von ihren Eigentümern geliehen waren, sei es, dass Sonja Turk sich nicht von ihnen trennen wollte -, zweiundzwanzig Stücke insgesamt, ja, und du kannst dir nicht vorstellen, wie da die Farben und Formen miteinander konkurrierten und wie die Inhalte – denn unsere Teppiche hatten Inhalte – alles über uns preisgaben; sogar im Ornament spiegelte sich etwas von unserer Eigenart.«
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Quelle: Siegfried Lenz – Heimatmuseum. Roman

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»Die Teppichmeisterin gab mir einen Wink, ich löste die Schnur und schlug aus dem Packpapier einen von Indigoblau bestimmten Wandteppich, den sie bei uns auch tagsüber auf das Bett legten, ein Stück, ein Doppelgewebe von exakter Schönheit, das ich – so weit war ich bereits – sofort als eine Arbeit von Sonja Turk erkannte.

In den Ecken, lindgrün auf grauweißem Feld, der Dreispross; die Mittelfläche indigoblau, von roten Streifen unterfeuert; im Zentrum – nie wieder habe ich dies gesehen – ein mandelförmiges Auge, ernst und von unbarmherziger Gelassenheit. Ich hatte das Gefühl, dass dies Auge mich erkannte, mich abfragte, ein Auge, das alles gesehen hatte und mit allem rechnete. Es ruhte auf mir mit seiner kalten Wissbegier und ließ mich nicht los, als ich zurücktrat und dann zur Seite, alles im Raum schien ihm erreichbar, diesem rosafarbenen Auge mit der schwarzen Iris…«
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Quelle: Siegfried Lenz – Heimatmuseum. Roman

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Sonnenaufgang Lassan

Sonnenaufgang in Lassan (Foto: Christian Lewalter)


Der folgende, heute nicht mehr erhältliche Artikel stammt mit hoher Vermutlichkeit (mir liegt er nur als Kopie vor) aus der Ostsee-Zeitung, der Tageszeitung für die Menschen an der Ostseeküste. Der Artikel ist 30 Jahre alt und beleuchtet die Rolle Lassans in der Produktion von Fischerteppichen. Da er einige sehr aufschlussreiche Fakten und Zahlen liefert, steht er hier:

(mehr …)

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